Am letzten Tag der FestSpiele des Denkens wurde das Denken zunächst bewusst abgeschaltet.
Madhukar, spiritueller Meister des Advaita, ließ das Publikum die gemeinsame Stille erleben - eine Erfahrung, die die meisten aus einer Schweigeminute kennen, die wenigsten aber so intensiv und über zehn angenehm lange Minuten. In dieser Sitzung sprach Madhukar über Einssein, Frieden und die Kraft der Stille. Der Meister lud das Publikum zu fragen ein und beantwortete die bewundernden, aber auch zweifelnden Beiträge der Gäste zu Themen wie Geld, Sexualität, Kindsein und Kommunikation. Ruhe sieht er dabei als zentral: “Die Stille ist die mächtigste Kraft im Universum. Durch sie können wir die Wichtigkeit der eigenen Person aufgeben und unsere Freiheit erkennen”.

Madhukar, Meister des Advaita
Kontrastreich dazu sprach Dr. Gerhard Wohland, Phyiker und Unternehmensberater, über Überraschungsmanagement und hinderliche Selbstverständlichkeiten. “Wenn eine Frage falsch ist - dann auch jede Antwort”, so seine These. Im Mittelpunkt steht dabei die genaue Unterscheidung von lebendig und tot, Komplexität und Kompliziertheit. Erfolgreiche Unternehmen setzen laut Wohland bewusst oder unbewusst auf Können, statt Wissen. Wissen lässt sich beschreiben, transportieren, verarbeiten, aber auch stehlen oder falsch verstehen. Können dagegen klebt am Können - es ist nicht kommunizierbar. Daher lassen sich auch Verhaltenskulturen nicht wirklich von außen beeinflussen: Wenn beispielsweise Vertrauen von oben gefordert wird, erzeugt das eher einen Zwang zu Heucheln als ehrliches Vertrauen. Eine Wertkultur ist also nicht entwickelbar, da Werte sich nur über das Gedächtnis formen und auf alles, was passiert, reagieren.

Dr. Wohland: "Wenn eine Frage falsch ist, dann auch jede Antwort"
Diese und andere Thesen wurden im abschließenden Open Talk kontrovers diskutiert. Auch den Weimarer Visionen selbst wurden Fragen gestellt: Was wollen sie eigentlich und wo entwickeln sie sich hin? Mitinitiator Dr. Ulrich Bauhofer erklärte es für sich so: Die Weimarer Visionen wollen sich nicht wie andere Tagungen in Kategorien zwängen lassen. Sie wollen wie das Leben sein und sich über Wachsen und Verbundenheit definieren. Mit jedem Jahr wächst der Baum dieser Visionen nicht nur in die Höhe, sondern wurzelt auch stärker in der Erde - Verbundenheit und Wachstum gehen miteinander einher, neue Impulse bauen auf dem Vorangegangenen auf. Wie in den letzten Jahren müssen die Eindrücke der FestSpiele des Denkens erst einmal verdaut werden - das abschließende gemeinsame Mittagessen im Dorint Hotel war dafür der Anfang.

Madhukar, Prof. Pietschmann und Prof. Hüther beim abschließenden Open Talk
Eingängige Zitate der Weimarer Visionen 2009 (weitere zur Vervollständigung gern einsenden)
“Wenn Du das Ziel hast, vergiss das Ziel und mach den ersten Schritt.” (Prof. Herbert Pietschmann)
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“Das Wesen der Kreativität ist, nicht zu wissen woher die Gedanken kommen”, wie es schon bei Beethoven und Mozart war (Prof. Herbert Pietschmann)
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“Wir können nicht so tun, als hätten wir keine Geschichte. Es gibt sehr wohl Kausalitäten!” (Prof. Gerald Hüther)
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“Unser bloßes Zuschauen fühlt sich wie ein Gewaltverbrechen an.” (Eine Teilnehmerin über den Zustand von Kindern und Bildungssystem)
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“Ich fließe, also bin ich” (Spruch auf im Workshop künstlerisch gestaltetem T-Shirt von Susanne Weiss)
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“Stille und Aktivität gehören zusammen. Auch beim Laufen ist ein Bein in Aktion, während das andere stabilisierend steht. So kommen wir voran.” (Dr. Ulrich Bauhofer)
















