Weimarer Visionen - Festspiele des Denkens

FestSpiele des Denkens - 4.10.2009

Am letzten Tag der FestSpiele des Denkens wurde das Denken zunächst bewusst abgeschaltet.

Madhukar, spiritueller Meister des Advaita, ließ das Publikum die gemeinsame Stille erleben - eine Erfahrung, die die meisten aus einer Schweigeminute kennen, die wenigsten aber so intensiv und über zehn angenehm lange Minuten. In dieser Sitzung sprach Madhukar über Einssein,  Frieden und die Kraft der Stille. Der Meister lud das Publikum zu fragen ein und beantwortete die bewundernden, aber auch zweifelnden Beiträge der Gäste zu Themen wie Geld, Sexualität, Kindsein und Kommunikation. Ruhe sieht er dabei als zentral: “Die Stille ist die mächtigste Kraft im Universum. Durch sie können wir die Wichtigkeit der eigenen Person aufgeben und unsere Freiheit erkennen”.

Madhukar

Madhukar, Meister des Advaita

Kontrastreich dazu sprach Dr. Gerhard Wohland, Phyiker und Unternehmensberater, über Überraschungsmanagement und hinderliche Selbstverständlichkeiten.  “Wenn eine Frage falsch ist - dann auch jede Antwort”, so seine These. Im Mittelpunkt steht dabei die genaue Unterscheidung von lebendig und tot, Komplexität und Kompliziertheit. Erfolgreiche Unternehmen setzen laut Wohland bewusst oder unbewusst auf Können, statt Wissen. Wissen lässt sich beschreiben, transportieren, verarbeiten, aber auch stehlen oder falsch verstehen. Können dagegen klebt am Können - es ist nicht kommunizierbar. Daher lassen sich auch Verhaltenskulturen nicht wirklich von außen beeinflussen: Wenn beispielsweise Vertrauen von oben gefordert wird, erzeugt das eher einen Zwang zu Heucheln als ehrliches Vertrauen. Eine Wertkultur ist also nicht entwickelbar, da Werte sich nur über das Gedächtnis formen und auf alles, was passiert, reagieren.

Dr. Wohland: "Wenn eine Frage falsch ist, dann auch jede Antwort"

Dr. Wohland: "Wenn eine Frage falsch ist, dann auch jede Antwort"

Diese und andere Thesen wurden im abschließenden Open Talk kontrovers diskutiert. Auch den Weimarer Visionen selbst wurden Fragen gestellt: Was wollen sie eigentlich und wo entwickeln sie sich hin? Mitinitiator Dr. Ulrich Bauhofer erklärte es für sich so: Die Weimarer Visionen wollen sich nicht wie andere Tagungen in Kategorien zwängen lassen. Sie wollen wie das Leben sein und sich über Wachsen und Verbundenheit definieren. Mit jedem Jahr wächst der Baum dieser Visionen nicht nur in die Höhe, sondern wurzelt auch stärker in der Erde - Verbundenheit und Wachstum gehen miteinander einher, neue Impulse bauen auf dem Vorangegangenen auf. Wie in den letzten Jahren müssen die Eindrücke der FestSpiele des Denkens erst einmal verdaut werden - das abschließende gemeinsame Mittagessen im Dorint Hotel war dafür der Anfang.

Madhukar, Prof. Pietschmann und Prof. Hüther beim abschließenden Open Talk

Madhukar, Prof. Pietschmann und Prof. Hüther beim abschließenden Open Talk


Eingängige Zitate der Weimarer Visionen 2009 (weitere zur Vervollständigung gern einsenden)

“Wenn Du das Ziel hast, vergiss das Ziel und mach den ersten  Schritt.” (Prof. Herbert Pietschmann)

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“Das Wesen der Kreativität ist, nicht zu wissen woher die Gedanken kommen”, wie es schon bei Beethoven und Mozart war (Prof. Herbert Pietschmann)

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“Wir können nicht so tun, als hätten wir keine Geschichte. Es gibt sehr wohl Kausalitäten!” (Prof. Gerald Hüther)

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“Unser bloßes Zuschauen fühlt sich wie ein Gewaltverbrechen an.” (Eine Teilnehmerin über den Zustand von Kindern und Bildungssystem)

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“Ich fließe, also bin ich” (Spruch auf im Workshop künstlerisch gestaltetem T-Shirt von Susanne Weiss)

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“Stille und Aktivität gehören zusammen. Auch beim Laufen ist ein Bein in Aktion, während das andere stabilisierend steht. So kommen wir voran.” (Dr. Ulrich Bauhofer)

FestSpiele des Denkens - 3.10.2009

Ein sonniger Tag, dieser Tag der Deutschen Einheit. Am Morgen konnte jeder FestSpieler entscheiden, womit er vor dem Frühstück seine Wirklichkeit beginnen wollte: Yoga, Entgiftungsworkshop oder ein literarisch-philosophischer Morgenspaziergang standen auf dem Programm.

Bauhaus Weimar

Das Bauhaus in Weimar beim literarischen Morgenspaziergang.

Im Wittumspalais, wo einst schon Anna Amalia Freunde zum Kulturgenuss an ihren runden Tisch lud, fanden die Vorträge des Vormittags statt. Dabei ging es vor allem um Lebensbejahung und Öffnung des Herzens: Eine schwierige Situation mache ich zu meinem Coach! Ich mache mir meine negativen antrainierten Denkmuster bewusst und “vergebe der Gegenwart” – sie ist unabänderlich da, die Zukunft aber kann ich positiv gestalten. Jammern oder die jedem bekannte Top-Ten der persönlichen Klagelieder sind reine Energieverschwendung, wenn sie nicht fruchtbar ins Gegenteil verkehrt werden. Diese Kontextveränderung und ein bewusster Umgang mit dem Jetzt fördern die Entfaltungsmöglichkeiten des Lebens.

Jens Corsen bei seinem spontanen Plädoyer für die Lebensbejahung

Jens Corssen bei seinem spontanen Plädoyer für die Lebensbejahung

Staunen, Schmunzeln, Lachkrämpfe: Die Gäste konnten am Vormittag herzlich über das Leben und sich selbst lachen

Staunen, Schmunzeln, Lachkrämpfe: Die Gäste konnten am Vormittag herzlich über das Leben und sich selbst lachen

Otmar Kastner animiert das Publikum zum Rap "Weimar!" - "Visionen!"

Otmar Kastner animiert das Publikum zum Rap "Weimar!" - "Visionen!"

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Die Sonne meinte es auch beim kommunikativen Mittagessen in der Villa Haar gut mit den Gästen. Am Nachmittag gaben visionäre Workshops einen Einblick, wie und wo sich neue Wirklichkeiten formen. Es wurde das Clown- oder Künstlersein geFestSpielt, die Wirkung von Stimme, Atmung und Körperhaltung erweitert und über Möglichkeiten der Wohlstandserschaffung philosophiert.

Die Workshopleiter Mariana Bozesan (Wohlstandserschaffung), Ernesto Handl (Wie Kunst Realität schafft), Clown Antoschka (Wirklichkeit feiern) und Susanne Vogel (Authentisch Sprechen). Mitte: Initiatorin Eva-Maria Börschlein, rechts: Initiator Christoph Santner

Die Workshopleiter Mariana Bozesan (Wohlstandserschaffung), Ernesto Handl (Wie Kunst Realität schafft), Clown Antoschka (Wirklichkeit feiern) und Susanne Vogel (Authentisch Sprechen). Mitte: Initiatorin Eva-Maria Börschlein, rechts: Initiator Christoph Santner

Bunt gestalte Ergebnisse aus dem Workshop "Wie Kunst Realität schafft"

Bunt gestalte Ergebnisse aus dem Workshop "Wie Kunst Realität schafft"

Abends traf man sich im Weimarer e-werk. Vor einer Kulisse von umgestalteten Maschinen speisten Spieler und Denker an vier langen Tafeln. Als kleiner Höhepunkt bot die eigens gegründete Weimarer-Visionen-Rapgruppe einen Sprechgesang aus Schlagworten und band das begeisterte Publikum ein. Spätestens beim Refrain, dem von den Visionären umgedichteten Lied des King of Pop “We are the world, we are in Weimar…” ließ jeder seine Stimme in der großen Halle mitschwingen. Ein professionelles Swing-Paar zeigte schließlich, wie auch das Tanzbein geschwungen werden kann und fand unter den Gästen begabte Nachahmer.

Abendliche Tafelrunde im e-werk

Abendliche Tafelrunde im e-werk

FestSpiele des Denkens - 2.10.2009

Die Weimarer Visionen 2009 boten ihren Gästen am ersten Tag inspirierende Vorträge, eine kulturvolle Kulisse und kulinarische Entdeckungen.

Mit einem kleinen Imbiss wurden die Teilnehmer ab 12 Uhr im Stadtschloss von Weimar empfangen.

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Empfang im Stadtschloss Weimar


In Ihrer Begrüßungsrede luden die Initiatoren alle Gäste herzlich ein, gemeinsam neue Wirklichkeiten zu schaffen und den Wandel als Chance unserer Generation zu begreifen, wegweisende Entscheidungen mitzugestalten. Die FestSpiele des Denkens sollen dabei wörtlich genommen werden: Gedanken aufzunehmen, loszulassen, weiterzuverarbeiten, mit ihnen zu spielen und sich inspirieren zu lassen.

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Anmoderation von Michael Sandvoss


Die Vortragsrunde im Festsaal des Stadtschlosses begann Univ.-Prof. Dr. Herbert Pietschmann, der zugleich amüsant und wissenschaftlich den Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit erklärte. Während die Wirklichkeit als Ergebnis der subjektiven Wahrnehmung und Erfahrung begriffen wird, ist Realität außerhalb dessen. Durch die Kommunikation von Erfahrungen einigen sich die Menschen auf eine Wirklichkeit. Doch so, wie in der Wissenschaft Experimente wiederholt werden müssen, um etwas zu beweisen, muss auch das, was wir als Wirklichkeit anerkennen, reproduzierbar und wiederholbar sein.

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Prof. Dr. Herbert Pietschmann: "Wer stehen bleibt, wird auf jeden Fall zurückbleiben."


Wenn dieser Blog über die Weimarer Visionen 2009 berichtet, (re)produziert er ebenfalls Wirklichkeit – und steht damit in einer wachsenden virtuellen Welt nicht allein. Zu den Predigern einer geistigen Freiheit im Internet zählt sich Jan Wildeboer. Der hauptberufliche Open Source-Programmierer von RedHat sprach am ersten Tag der FestSpiele des Denkens 2009 über “Kollektive Intelligenz: Wie Internet Communities Wirklichkeit erschaffen“.

Das Internet hat den Feedbackzyklus menschlicher Kommunikation verändert, teils sogar vereinfacht. Ideen können sich schneller verbreiten, Start Ups ohne finanzielle Aufwände Erfolge feiern. Doch, so die Botschaft des Open Source-Programmieres: Kreativität und Innovationen brauchen Freiheit. Neue Geschäftsmodelle jenseits von Software-Patenten und “Geistigem Eigentum” sind heute nötig, wenn sich einmal veröffentlichtes Wissen selbst verbreitet.

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Jan Wildeboer: "Wenn ich etwas Universales schaffen will, muss es frei zugängig sein."


Nach einer Kaffeepause sprach der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther direkt Herz und Hirn des Publikums an. Die Art, “wie das Gehirn seine eigene Wirklichkeit erschafft“, wird ihmzufolge bereits im frühesten Kindesalter angelegt. Alle Ungeborenen haben eine große Gemeinsamkeit: Den Wunsch zu Wachsen und den nach Verbundensein. Jeder psychische Schmerz ist dann ein Ausdruck der Sehnsucht nach diesem Erfolgs- und Glücksgefühl, im mütterlichen Bauch zu wachsen und aufs Engste verbunden zu sein. Die Erfahrungen, die wir später im Laufe unseres Lebens machen, prägen unsere Haltungen. Eben diese innere Haltung gilt es zu verbessern: Durch Ermutigung, Möglichkeiten aufzeigen, Inspiration und vor allem Begeisterung.

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Prof. Dr. Gerald Hüther: "Die Erfahrung der Verbundenheit und des Über-sich-Hinauswachsens begeistert uns – wir brauchen auch als Erwachsene wieder mehr davon."


Im anschließenden Podiumstalk mit den Rednern, sowie Wolfgang Riehn und moderiert von Michael Sandvoss wurde dem Bildungssystem eine Schlüsselrolle für die Wirklichkeiten der Zukunft zugesprochen. Statt auf Auswendiglernen sollte wieder mehr auf Verstehen wert gelegt werden. Aber auch das Nichtverstehen sollten Lernende als Chance begreifen, Neues zu entdecken und sich weiter zu entwickeln. Neugier und Entdeckertrieb sind es, die große und kleine Erfindungen ermöglichen, damit das Leben leichter machen und mit denen man über sich hinaus wachsen kann. Bleiben auch Sie neugierig, wie es bei den FestSpielen des Denkens 2009 weitergeht.

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Podiumstalk mit Wolfgang Riehn, Prof. Herbert Pietschmann, Jan Wildeboer und Prof. Gerald Hüther

Festspiele des Denkens 2009

DIE WELT IM WANDEL: WIE WIR EINE NEUE WIRKLICHKEIT ERSCHAFFEN

Sie inspirieren und sie wollen neue Wirklichkeiten erschaffen: Die Weimarer Visionen 2009. Am Freitag, 2. Oktober, starten die vierten Festspiele des Denkens. Sie konzentrieren sich diesmal auf die Welt im Wandel. Realitäten verändern sich, Neues wird erfunden und geschaffen. Diese Umbruchszeiten bieten unserer Generation die Chance, die Gestaltung der Welt selbst in die Hand zu nehmen und Teil der Lösung statt Teil des Problems zu sein.

Die Weimarer Visionen funktionieren wie ein großes Zukunftslabor. Stellen Sie sich vor: Menschen kommen darin zusammen, um gemeinsam Zukunft zu entwerfen. Stellen Sie sich vor: Menschen kommen darin zusammen, um sich gegenseitig zu ermutigen und zu bestärken. Stellen Sie sich vor: Menschen kommen darin zusammen, um spielerisch inspirierende Zukunftsentwürfe in die Tat umzusetzen.

Jeder Wandel bewegt Werte, Denkmuster und Verhaltensweisen. Wir tun gut daran, die Zusammenhänge dieses – unseres – Wandels zu verstehen. Wie erschafft sich das Gehirn seine eigene Wirklichkeit? Wie entstehen und verändern sich menschliche Erlebniswelten? Was ist Phantasie, was Wirklichkeit und woher kommt die menschliche Sehnsucht nach dem Einssein? Gemeinsam finden wir in Vorträgen, Workshops und Diskussionen Antworten auf diese Fragen.

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Willkommen bei den FestSpielen des Denkens 2009!

>> Lesen Sie die Programmbroschüre der Weimarer Visionen 2009

>> Lesen Sie, welche Referenten die Weimarer Visionen 2009 bereichern